Das Konzept „Mittendrin – das kleine Stadtzentrum“

Ausgangssituation

Mit dem deutlichen Rückgang der Bevölkerungszahlen auf dem Lande und dem damit einher gehenden Kaufkraftschwund verlassen die Discounter-Märkte der bekannten Lebensmittelketten zunehmend den ländlich geprägten Raum und konzentrieren sich ausschließlich nur noch auf die Siedlungszentren mit entsprechender Kaufkraft. Auch die Märkte der tegut-Gutberlet Stiftung können einen Jahresumsatz ab etwa einer Millionen Euro Bruttoumsatz nur noch in den größeren Städten generieren.

Die Philosophie des tegut…-Lädchens

Die Philosophie des tegut…-Lädchens zielt bewusst auf die Strukturen im ländlichen Raum unter dem Einfluss des demographischen Wandels ab und wird bisher in Hessen, Thüringen und Bayern an inzwischen schon 25 Standorten erfolgreich praktiziert. Aktuell kommen jährlich etwa zwei Neueröffnungen hinzu.

Das Modell

Dem Modell liegt der Ansatz zu Grunde, dass mit der von der jeweiligen Ortsgemeinde unterstützte Kombination des privatwirtschaftlichen Unternehmensangebotes mit öffentlichen und / oder mit Angeboten sozialer und auch kultureller Aufgabenträger ein attraktives Versorgungs- und Dienstleistungszentrum geschaffen werden kann, welches dem Einwohnerbedürfnis nach Leistungsangeboten vor Ort und nach Gelegenheiten soziogesellschaftlicher Kommunikation gerecht wird. Die regelmäßige Kooperation mit einem Integrationsbetrieb schafft Möglichkeiten der geförderten Ausbildung und Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen und dient gleichzeitig der Senkung der zu erwirtschaftenden Personalkosten.

Je nach den örtlich strukturellen Gegebenheiten werden entsprechend Anlage 2.3 drei Modelle angeboten:

  • Der tegut…-Kiosk ist die kleinste Variante mit sehr eingeschränkten Sortimentsumfang und mit einem Umsatzpotenzial bis etwa brutto 500.000 € p.a.
  • Das mittlere Größenmodell erreicht ein Umsatzpotenzial bis etwa brutto 700.000 € p.a.; der Betreiber kann einen kleinen Gewinn erwarten
  • Bei einem Umsatzpotenzial ab etwa 700.000 € p.a. ist eine Betreibung im Haupterwerb möglich

Unter Einbeziehung des ländlichen Umlandes, der Campingplätze am Hohenwarte-Stausee im Süden und unter gleichzeitiger Beachtung der Marktsituation entlang der nahen B 281 (Pößneck und Krölpa) nördlich von Ranis wurde von tegut im Ergebnis einer Standortanalyse ein Jahresbruttoumsatz von 800.000 € nach dem vorstehend erläuterten Konzeptansatz für möglich erachtet. Zu ähnlichem Ergebnis kam eine frühere Analyse der CAP-Markt Handelsgesellschaft mbH (800.000 bis 900.000 €).

Neben dem tegut-Markt sind im Gebäude fünf Bereiche für eine separate Fleisch- und Wurstwarenabteilung, für Back- und Konditoreierzeugnisse, für einen Wochenstand mit wechselnden Angeboten regionaler Erzeuger sowie für weitere Einmietungen vorgesehen. Der Imbiss- und Café-Bereich ist vom Marktbereich räumlich getrennt und besitzt eine Außenterrasse.

Eine Fläche für Angebote „fliegender“ Händler ist im Außengelände vorgesehen. Abgerundet wird das Gesamtkonzept durch die Einbeziehung der parkähnlichen Grünanlage als Kommunikationsbereich. Zu allen vorgenannten Bausteinen gibt es bereits konkrete Interessenten bzw. Gespräche seitens der Initiativgruppe. Die geplanten Nutzungsbereiche sind im Grundrissplan zum Gebäude dargestellt.

Die Genossenschaft als Betreiber des Marktzentrums

Aus der Provision des tegut…-Lädchens als Kerngeschäft und aus den Vermietungen der begleitenden Dienstleistungsbereiche generiert die Genossenschaft als Betreiber die erforderlichen Einnahmen, welche für die Finanzierung des Marktpersonals, der technischen und sonstigen Betriebs- und Nebenkosten sowie des Investitions- und Erwerbsaufwandes benötigt werden.

Die Genossenschaftsanteile der Mitglieder dienen nicht der Finanzierung von Investitionen oder des Marktbetriebes, sondern verbleiben in der gesetzlichen Rücklage der Genossenschaft. Aus ihr werden lediglich die Gründungskosten (Prüfgutachten, Notar- und Gerichtskosten) vorfinanziert, bis der Geschäftsbetrieb aufgenommen ist. Diese Entnahmen aus der gesetzlichen Rücklage sind aus den Betriebsergebnissen entsprechend der Satzung und der Bestimmungen des Genossenschaftsgesetzes wieder aufzufüllen.

Das Genossenschaftsmodell wurde gewählt, weil mit ihm das identitätsstiftende Engagement der Bürgerinnen und Bürger für einen Nahversorgungsmarkt in Ranis am stärksten zum Ausdruck kommt. Das Genossenschaftsmitglied demonstriert mit seinem Beitritt die Unterstützung des Konzeptes und richtet sein weiteres Verhalten auf einen erfolgreichen, gemeinschaftlich geführten Geschäftsbetrieb entsprechend des Satzungszweckes aus. Der Pflichtanteil ist bewusst niedrig angesetzt, um möglichst vielen Bürgerinnen und Bürgern die Teilhabe am konkreten bürgerlichen Engagement zu ermöglichen. Ein weiterer Vorteil des Genossenschaftsmodells in der gewählten Satzungsform ist das überschaubare Verlustrisiko lediglich in Höhe des eingebrachten Anteils.

Die vorbereitende Arbeit der Initiativgruppe zur Genossenschaftsgründung, die beratende Tätigkeit fachkompetenter Mitglieder sowie die Führung der Genossenschaft (Vorstand, Aufsichtsrat, Buchhaltung) werden ehrenamtlich geleistet. Damit ist eine Aufwandsbeschränkung auf die jährlichen, nach Gesetz entgeltpflichtigen Fremdleistungen wie Jahresabschlüsse durch Steuerbüro oder Prüf- und Verbandsbeiträge möglich.

Die Genossenschaft als Integrationsbetrieb

Das Modell eines Marktzentrums als Integrationsbetrieb basiert auf einer 2013 durch die Grundschulleiterin Christina Groß und die Stadträtin Birgit Riemann zusammen mit Prof. Dr. Ada Sasse und Dipl.-Math. Ursula Schulzeck (Thüringer Forschungs- und Arbeitsstelle für Gemeinsamen Unterricht – www.gu-thue.de) entwickelten Projektskizze mit dem Arbeitstitel “Mittendrin - Das kleine Stadtzentrum“ - Entgegen dem demografischen Wandel - Wiederbelebung des Zentrums der Stadt Ranis mit einem Nahversorger und weiteren attraktiven Angeboten - Schaffung von Beschäftigung für Jugendliche mit geistiger Behinderung auf dem ersten Arbeitsmarkt (Unterstützte Beschäftigung). Die Ideen der Initiatorinnen greifen vorhandene bzw. seit 1992 entwickelte örtliche Strukturen auf.

Mit der Kindertagesstätte „Burgspatzen“ und dem Kinder- und Jugendheim „Burgblick“ in Trägerschaft des Diakonieverein Orlatal e.V. sowie der Staatlichen Grund- und Regelschule sind in Ranis Betreuungs- und Bildungseinrichtungen mit Umlandfunktion vorhanden und räumlich konzentriert worden. Für Kinder und Jugendliche mit Handicap ist so eine durchgängige integrative Entwicklungsmöglichkeit gegeben. Nach Schulabschluss stehen die Betroffenen dann noch zu oft vor Schwierigkeiten, einen defizitgerechten weiteren Werdegang der jungen Menschen mit Handicap zu organisieren. Die Entfaltung der Biographien auch außerhalb geschützter Werkstätten auf dem ersten Arbeitsmarkt ist das Grundanliegen der Genossenschaft als Integrationsbetrieb. Die Konzeption, drei bis vier Ausbildungs- und Beschäftigungsplätze für Jugendliche mit Handicap im Marktzentrum Ranis zu implementieren, schafft hier ein konkretes Angebot.

Die konzeptionelle und praktische Zusammenarbeit mit dem Mittendrin-in-Ranis e.V. ist durch die handelnden Personen gegeben. Seitens des Vereins ist eine Integrationsberatung im Markt- und Dienstleistungszentrum (Sprechstunden / Briefkasten) vorgesehen. Er will regionale Anlaufstelle sein und sucht die Zusammenarbeit mit Behörden und Einrichtungen der Jugend- und Sozialhilfe.

Das Kommunikationszentrum für Alt und Jung

Die auf dem Grundstück vorhandene parkähnliche Grünanlage bietet sich neben der Caféteria als ein Ort der Kommunikation und der Begegnung von Alt und Jung an. Ein Kinderspielbereich (Betreuung durch den Mittendrin-in-Ranis e.V.) ist ebenso angedacht wie ein Spielebrett (Schach/ Dame/ Mühle – Betreuung durch die Ortsgruppe Ranis der VS) und eine Mini-Kegelbahn (Betreuung durch den KSV 01 Ranis e.V.) sowie eventuell noch eine Mini-Golf-Anlage. Die Gesamtverantwortung über diese Anlagen soll dem Mittendrin-in-Ranis e.V. obliegen. Neben der ungezwungenen Begegnung der Generationen können hier auch thematische Treffen in der Zusammenarbeit mit den Raniser Kindereinrichtungen (Diakonie, Schule, kirchliche Kinderkreise) und / oder den Vereinen (z.B. der Ortsgruppe der Volkssolidarität) stattfinden.

Die Caféteria soll als Lesecafé eingerichtet werden. Die Bücherregale erhalten einen jeweils aktuellen Bestand an Lektüre aus der Stadtbibliothek. In terminlicher Abstimmung mit dem Pößnecker Café Dittman und konzeptioneller Zusammenarbeit mit dem LeseZeichen e.V. sollen ebenfalls Samstagslesungen mit Autoren und Autorinnen stattfinden. Außerdem könnte sich die Caféteria auch als ein Leseort der Thüringer Literatur- und Autorentage etablieren.

Der Fahrplan für die Projektumsetzung
  • April / Mai 2015 - Formierung der Initiativgruppe und Gewinnung der erforderlichen Kompetenzen
  • Mai 2015 – Einwohnerversammlung mit Vorstellung der Konzeption durch den Verein
  • Juni 2015 – Gründung der Genossenschaft mit Firma Marktzentrum Ranis eG
  • Bis Ende 2015 - Beitritt Prüfungsverband und Gründungsprüfung
    - Anmeldung zum Genossenschaftsregister und Eintragung
    - Abschluss der Verhandlungen mit tegut und mit gewerblichen Mietern
    - Entwicklung des Außenbereiches zusammen mit den Trägervereinen
    - Verfeinerung des Wirtschafts- und Stellenplanentwurfes
    - Werbung weiterer Genossenschaftsmitglieder
  • Januar 2016 – Verhandlung zum Ankauf der Immobilie von der Stadt Ranis
  • Februar 2016 – Einrichtung der Geschäfts- und Dienstleistungsbereiche
  • März 2016 – Eröffnung des Marktzentrums

 

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